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  1. Geschichtlich vollzieht sich die Besiedlung Britanniens von oben (Römer, Angelsachsen, Normannen), die Herrscher sind, von unten (Flamen, Iren, Inder), die billige Arbeitskräfte sind, oder seitlich, wenn die nach Herrschaft strebende Besiedlung unbedeutend ist (Dalriada) oder aber fehlschlägt (Danelag).
  2. Britanniens geographisch günstige Lage, einerseits mit dem europäischen Festlande durch den trennenden Ärmelkanal verbunden, andererseits zur Beherrschung des Inselmeeres geschaffen, lädt zu stetigen Eroberungen ein. Seiner geographischen Beschaffenheit wegen ist der Rumpf der Insel gleichsam ihr Haupt – das Gebiet des heutigen Englands – und ein jedes auf Herrschaft sinnendes Volk muß diesen samt seines politisch-geographischen Machtzentrums – London – besitzen und behalten. Somit beherbergen die vom Rumpfe hinwegstrebenden Glieder Britanniens die Überreste alter, schwacher Völker, die sich anfangs zwar tapfer gegen den Rumpf behaupten, doch letztlich von diesem unterjocht werden.
  3. Aufgrund der Britannien wiederholt heimsuchenden Eroberungswellen war die britische Bevölkerung seit römischer Zeit stets in beherrschende Oberschicht und beherrschte Unterschicht geteilt. Dieses Herr-Knecht-Verhältnis betraf und betrifft insbesondere Britanniens Rumpf: England. Also entstand hier nie eine wirkliche Abstammungs-, Sprach- und Schicksalsgemeinschaft, und sozial-psychologischer Notwendigkeit folgend ersetzten die Engländer den Begriff folc mit peuple.
  4. Im Gegensatz zu den Urbriten waren die Engländer somit von vornherein ob ihres Daseins als pseudo-völkische Insulaner zur gesellschaftlichen Verinselung prädestiniert. Dem hieraus keimenden Individualismus hat ihr bedeutendster Dichter ein würdiges Monument gesetzt.
  5. Diese Voraussetzungen bedingten England a) zur idealen Seemacht, b) zum idealen Ausbeuter überseeischer Kolonien und c) zum idealen Verräter Europas.
  6. Als individualistische Seemacht war England der natürliche Feind der militaristischen Landmacht Deutsches Reich. Seine wiederholten Angriffe auf das Deutsche Reich im Rahmen des von ihm hauptsächlich mitangezettelten Zweiten Dreißigjährigen Krieges, waren Angriffe auf das schlagende Herz Europas. Der Verrat an Europa sowie Englands Beteiligung am vorübergehenden Niedergange dieses Kulturkreises im Wüstensturme der Gegengeschichte sind Englands großes geschichtliches Verbrechen.
  7. Mit der militärischen Niederringung des Deutschen Reiches im Jahre 1945 hatte England als Gehilfe der Gegengeschichte sein Zerstörungswerk endgültig vollbracht und trat somit von der Bühne der Weltgeschichte ab. Der Verrat an Europa, das Ausplündern der Kolonien in Verbindung mit der Tatsache, daß die Engländer ein aus Einwanderungs- und Eroberungswellen gebildetes Pseudo-Volk sind, bedeutet nun Englands Untergang. Da ihm das ius soli vertraut, das ius sanguinis jedoch fremd ist, entbehrt England eines Immunsystems, das ihn vor seiner Selbstorientalisierung und Selbstvernegerung schützen könnte.
  8. Englands Untergang aber leitet die Wiederauferstehung der anderen britischen Völker ein: das kornische Volk1 findet wieder zu sich zurück, ebenso das Volk der Manx2 . Schottland fordert mit zunehmender Lautstärke seine Unabhängigkeit, und selbst die friedlichen, insichgekehrten Waliser werden zu ihrer vollen Selbstherrlichkeit zurückkehren. Englands Untergang ist Britanniens Morgenröte.

M. Haverkamp
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(1) Dieses aus Kornwall stammende urbritische Volk ist eng verwandt mit den Bretonen und Walisern. Nachdem es seine Sprache im 19. und 20. Jahrhundert aufgrund englischen Druckes nahezu vollkommen verloren hatte, belebt es diese nun erneut und fordert zunehmende Unabhängigkeit von England.
(2) Die Manx sind das auf der Insel Man beheimatete Volk. Neben einem starken nordischen Einfluß, stammen sie überwiegend von den Iren ab, deren Sprache sie in abgewandelter Form verwendeten, bis diese erlosch nachdem die Insel Man 1765 von England annektiert wurde. In den letzten Jahrzehnten haben die Manx ihre Sprache immer stärker ins öffentliche Bewußtsein gerufen und beleben diese nun wieder.

Konjunkturen und Krisen

13. März 2009

1. Es gibt Konjunkturen und Krisen a) des Kapitals und b) des kapitalistischen Systems. Das gegenwärtige Niederbrechen der Marktwirtschaft ist eine Krise des kapitalistischen Systems insgesamt und nicht bloß eine der periodischen Krisen des Kapitals. Diese Einsicht ist jetzt selbst bei den Ideologen des Systems angelangt, aber gleichwohl unternehmen die politischen Funktionäre des Systems den eitlen Versuch, mit finanziellen Anreizprogrammen der Krise Einhalt und der Konjunktur einen Ansprung zu bieten.

2. Konjunkturprogramme mitten in der Krise sind grober Unfug. Falls sie überhaupt etwas bewirken sind sie nur geeignet, jene Krankheit chronisch werden zu lassen, die zur Krise geführt hat. Diese Krankheit ist aber der akute Fall der Profitrate des Kapitals.

3. Gegen diese gefährliche (und in historisch letzter Instanz unheilbare) Krankheit des Kapitals gibt es vorerst (bis zur nächsten Krise) nur ein einziges Heilmittel: die Kapitalvernichtung, die nicht früher aufhören darf, als die gesellschaftlich gegebene Profitmasse wieder zu einer steigenden Profitrate des überlebenden Gesamtkapitals führt. Kapitalvernichtung heißt zwar auch Verschrottung von Sachkapital einerseits und Kurzarbeit und Entlassung von Humankapital andererseits, ist in erster Linie aber ein plötzlich einsetzender Wertgrößenverfall des noch fungierenden Kapitals. Dieses allein ist die Heilung der Krankheit, die im akuten Fall der Profitrate offen ausbricht. Ihre eigentlichen Ursachen hat diese Krankheit in den Produktivkraftsteigerungen der Arbeit, der dazu relativen Unterkonsumtion der breiten Massen und der sich so ergebenden Überproduktion in Bezug auf die zahlungsfähigen Bedürfnisse.

4. Aus den Produktivitätssteigerungen der Arbeit folgt der Wertverfall der Arbeitsprodukte, und dieser ist auch einer der objektiven Gründe für den Wertverfall der Arbeitskräfte und ihrer relativen Verelendung. Diese beschleunigt sich schließlich zu einer absoluten Verelendung durch den Import ausländischer Arbeitskräfte, der bewirkt, daß Arbeitskraft billig wie Dreck wird, und das läßt ihren Konsumgüterkorb schrumpfen. Diese erzwungene Unterkonsumtion der breiten Masse, die voller Bedürfnisse, aber ohne ausreichende Zahlungsfähigkeit ist, stößt in der Krise auf die relative Überproduktion. Dies muß zu Absatzeinbrüchen und Produktionsstillstand führen.

5. Parlamentarismus ist das heute im Westblock vorherrschende totalitäre System, das die Regierung aus der Parlamentsmehrheit bildet. Weil im totalitären Parlament die bürgerliche Gesellschaft die Regierung stellt, kann in der Krise das besitzbürgerliche Sonderinteresse, das sich mit dem kompetenzbürgerlichen Sonderinteresse (bezüglich des Erhalts der Arbeitsplätze) verbündet, unmittelbar in die Staatskasse greifen. Das führt zu einer Inflation staatlicher Konjunkturstützungsmaßnahmen und entsprechend erhöhter Staatsverschuldung.

6. Die Staatsverschuldung wird wieder beseitigt werden durch Geldinflation, hervorgerufen durch Gelddrucken. Die Konjunkturstützungsmaßnahmen bezahlen also die breiten Massen mit der Entwertung ihrer Geldersparnisse. Von der Inflation des Geldes profitiert aber nicht nur der Staat, der seine Schulden abwirft, sondern ebenso der hochverschuldete Sachkapitalbesitzer. Selbst bei einer förmlichen Währungsreform, bei der jeder wieder mit vierzig Mark begänne, haben Proletariat, Subproletariat und Prekariat nichts als diese in der Hand, die Kapitalbesitzer hingegen die beleihbaren Produktionsmittel. Die Ungleichheit und die Ungerechtigkeit bliebe dieselbe wie zuvor.

7. In der Weltwirtschaftskrise von 1929-33 hat man den Staatshaushalt in Deutschland wohlweislich ausgeglichen gehalten, denn die Erfahrung der Inflation lag erst wenige Jahre (1923) zurück. Bei dem bisherigen Verlauf der Globalwirtschaftskrise ist ein aus Preisverfall, Produktionseinbruch, Massenarbeitslosigkeit, Geldinflation und staatlichen Zwangsmaßnahmen verklumptes Gesamtrisiko entstanden, wie es die Geschichte des kapitalistischen Systems zuvor noch nicht gesehen hat. Die Maßnahmen staatlicher Zwangsgewalt werden vermehrt und entwertet: Staatsinflation.

8. Was dem Kapital der Mehrwert ist der Herrschaft der Machtzuwachs und der Ideologie der Sinn. Den politischen Bannerträgern der Kapitalherrschaft wird in einer derart unsteuerbaren Krise zunehmend die Gefolgschaft verweigert. Ihr durch relativen materiellen Reichtum gerechtfertigter Demokratismus und Bürokratismus werden zuerst durch Korruption, „No-Go-Areas“, demokratiebefreite Zonen, Vetternpolitik, Autoritätsmißachtung, Steuerstreik, Unruhen oder Autonomieerklärungen zersetzt, später durch starke Gemeinschaftsführer vollends zerschlagen. Bereits vorher kann die herrschende Ideologie in eine Sinnkrise geraten sein, weil weder traditionelle Denkmuster noch eifriger Humanismus den Glauben an das bisherige System stützen konnten. Die bürgerliche Gesellschaft wird schwermütig, ihre generelle Handlungsunfähigkeit ihren Beteiligten zunehmend bewußt.

9. Wirtschaftskrise, Machtverfall und Depression ergeben eine Systemkrise von gewaltigen Ausmaßen, für die eine ebensolche Revolutionskonjunktur zu erwarten ist. Aber sicher ist natürlich nichts, denn die Konterrevolution schläft nicht und die Revolution reibt sich noch verwundert die Augen, ganz überrascht von ihren neuen Aussichten.

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